Karl May’s Kolportageromane in Originalausgabe

Der Roman „Waldröschen“

Im Spätsommer des Jahres 1882 unternahm Karl May eine Erholungsreise nach Dresden, wo er acht Tage im Hotel »Trompetenschlösschen« verweilte. Auf einem Spaziergang vom Böhmischen Bahnhof geriet er zusammen mit Ehefrau Emma in die »Rengersche Restauration«, die er von früheren Dresden-Aufenthalten her gut kannte. Zufällig begegnete er in der Gaststätte dem Verleger Heinrich Münchmeyer. Dieser befand sich in wirtschaftlichen Nöten und flehte May an, einen Kolportageroman für ihn zu schreiben.

Obwohl May in der Vergangenheit mit Münchmeyer schlechte Erfahrungen gemacht hatte, gab er auf Bitten seiner Ehefrau nach und nahm den Auftrag an. May begann mit der Niederschrift des »Waldröschens« im Herbst 1882. Die Auslieferung des Romans erfolgte ab November des Jahres in 109 Heften zu je 24 Seiten. Vereinbart war eine Auflage von 20.000 Exemplaren. Schon nach wenigen Wochen kamen günstige Nachrichten. Der Roman »ging«. Das »Waldröschen« wurde gelesen und wiedergelesen, bis die Blätter völlig zerfleddert waren. Auf insgesamt 2612 Seiten versetzte May seine Leser in atemlose Spannung. Wer offen für das Transzendente war, erlebte zusätzlich religiöse Erbauung. (Hermann Wohlgschaft, Karl May, Leben und Werk, 1. Auflage 2005, S. 568).

Bereits die Eröffnungssequenz des Romans wurde grundlegend für den Erfolg: „›Von den südlichen Ausläufern der Pyrenäen her trabte ein Reiter auf die altberühmte Stadt Manresa zu.‹ – Ja, so muss ein Buch anfangen, das ein Reißer werden will. Ruhig und spanisch. Der Rhythmus der Sprache folgt dem Trab des Tieres, doch in den winkligen Gassen Manresas wartet das Abenteuer. Gleich ist der Leser gefesselt; unrettbar gefesselt an die Geschehnisse, die noch vor ihm liegen; gebannt von einer Geschichte aus Verrat und Liebe, Treue und Wahnsinn, Scheintod und Eifersucht. 2612 Seiten lang, von einem Atemraub zum anderen. Siebenmal habe ich das ›Waldröschen‹ schon gelesen, und immer fiebere ich der Szene im Alligatorenteich entgegen. – Wie schafft es der finstere Graf bloß, den schnappenden Bestien zu entkommen? – Die große Jagd aufs große Abenteuer. Im Reißer gibt es sie noch. Man nimmt das Buch, schlägt es auf und – ›Von den südlichen Ausläufern der Pyrenäen trabte ein Reiter auf die altberühmte Stadt Manresa zu.‹ – Wunderbar!« (H. Posema: Kolportage. In: Die Horen 1995, Ausgabe 178, S. 44).

Das »Waldröschen« sollte schließlich die nach damaligen Maßstäben ungeheure Auflagenhöhe von 500.000 Exemplaren erreichen und wurde der erfolgreichste deutsche Fortsetzungsroman des 19. Jahrhunderts. Der Roman erfuhr schon bald viele Nachdrucke. Es folgten Übertragungen ins Englische, Tschechische, Niederländische, Italienische, Slowenische und Polnische. Finanziell gesehen war der Verleger Heinrich Münchmeyer der Hauptgewinner. Mit dem »Waldröschen« erzielte er, bei einem Heftpreis von 10 Pfennigen, einen Umsatz von ca. 5 Millionen Mark. Karl Mays Honorar war wesentlich geringer und betrug nur 0,07 % der Gesamteinnahmen. (Chr. Heermann; Karl-May-Biographie, Radebeul 2002, S. 233). Trotzdem war May endlich seiner Existenzsorgen behoben und konnte im Dresdener Vorort Blasewitz mit Ehefrau Emma eine bessere Wohnung beziehen.

Im Mittelpunkt des Romans stehen die Grafenfamilie Rodriganda und der deutsche Arzt Karl Sternau. Den heimtückischen Brüdern Cortejo und ihren Verbündeten gelingt es, die Rodrigandas und Sternau ins Unglück zu stürzen. Die Schurken schrecken vor keinem Verbrechen zurück. Menschenraub, Giftmischerei und gemeiner Mord sind ihre bevorzugten Mittel. Am Ende jedoch, nach einer Rächerjagd durch Spanien, Deutschland und Mexiko werden die Übeltäter zur Strecke gebracht, und es siegt die Gerechtigkeit.

Der Roman „Die Liebe des Ulanen“

„Die Liebe des Ulanen“, ein packender Fortsetzungsroman über den deutsch-französischen Krieg 1870/71, war der zweite Kolportageroman, den Karl May für den Dresdener Verleger H. G. Münchmeyer schrieb. Der Roman erschien vom September 1883 bis Oktober 1885 in 108 wöchentlichen Lieferungen in der Zeitschrift „Deutscher Wanderer“.

Der Ulanenrittmeister Richard von Königsau reist im Jahre 1870 inkognito und als buckliger Erzieher verkleidet nach Ortry in Lothringen, um im Schlosse des Gardekapitäns Albin Richemonte tragische Familiengeheimnisse aufzuklären und französischen Kriegsvorbereitungen gegen Deutschland auf die Spur zu kommen. Auf dem Weg nach Ortry rettet er Marion, Richemontes schöner Enkelin, das Leben und entdeckt seine Liebe zu ihr. In dem geheimnisvollen Schloss Ortry, einem Gebäude mit Tapetentüren, geheimen Gängen und unterirdischen Verliesen bekämpft Königsau die Machenschaften des finsteren Richemonte und gelangt schließlich auf die Spur eines Jahrzehnte zurückliegenden Verbrechens, durch das seinen Vorfahren ein furchtbares Schicksal zugefügt worden ist.

Der Roman „Der verlorene Sohn“

Mit seinem dritten Monumentalroman für Münchmeyer „Der verlorne Sohn oder Der Fürst des Elends“ schrieb Karl May einen „Dresden-Krimi“.

Der Roman mit einem Umfang von insgesamt 2411 Seiten erschien erstmals von August 1884 bis Juli 1886, eingeteilt in 101 Lieferungshefte. Der Roman erzählt die Geschichte des Förstersohns Gustav Brandt, der des Doppelmordes an seinem Gönner, dem Baron Otto von Helfenstein, und dem Verlobten von dessen Tochter Alma angeklagt ist. Brandt wird zum Tode verurteilt, später begnadigt, kann aber fliehen. Reich geworden kehrt er zwanzig Jahre später als geheimnisvoller „Fürst des Elends“ in seine Heimat zurück. Dort nimmt er den Kampf gegen den wahren Mörder von damals auf, den ominösen „Hauptmann“, der in der Umgebung von Dresden (der sog. Residenzstadt des Romans) noch immer sein verbrecherisches Unwesen treibt.

Der Roman „Deutsche Herzen – Deutsche Helden“

Der vierte monumentale Abenteuerroman, den May für den Verleger Münchmeyer verfasste, war „Deutsche Herzen – Deutsche Helden“.

Der Roman erschien in Heftform in 109 Fortsetzungen von Dezember 1885 bis Januar 1888 und schildert die Abenteuer der aus Deutschland stammenden Familie Adlerhorst. Zusammen mit dem schrulligen Lord Eagle-nest und dem geheimnisvollem Helden Oskar Steinbach macht sich der junge Hermann von Adlerhorst daran, die verschiedenen Mitglieder seiner Familie zu suchen, die durch eine Tragödie zwanzig Jahre zuvor in alle Welt verstreut wurden. Die Spuren führen in den Orient, in den Wilden Westen und nach Sibirien.

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