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E. Bulwer-Lytton

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Kriminalroman.

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Edward Bulwer-Lytton
geboren am 25. Mai 1803 in London, gestorben am 18. Januar 1873 in Torquay, schuf ein vielseitiges literarisches Werk.

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Berühmt sind nicht nur seine historischen Romane Die letzten Tage von Pompeji oder seine Kriminalromane Eugen Aram, Pelham oder Nacht und Morgen, um nur einige zu nennen, sondern auch einige literarisch anerkannte fantastischen Romane, zu denen neben Zanoni und Das Geschlecht der Zukunft auch der fantastische Kriminalroman Eine seltsame Geschichte (Original: A Strange story) aus dem Jahre 1861 gehört.

Das Fantastische war für Bulwer kein Spiel mit der Angst, sondern eine ernst zu nehmende Angelegenheit, eine Auseinandersetzung mit den tiefsten Geheimnissen des Universums, und darin liegt auch die große Anziehungskraft seiner fantastischen Romane begründet.
Zwar hatte Bulwer sich schon in seinem später bekanntesten Roman Die letzten Tage von Pompeji mit dem Einfluss beschäftigt, den der Isis-Kult im Rom des ersten nachchristlichen Jahrhunderts ausübte, doch erst mit Zanoni aus dem Jahr 1842, das seit seinem Erscheinen im Ruf eines okkulten Einweihungsromans stand, hatte er seine eingehende Beschäftigung mit mystischen Geheimlehren und okkulten Wissenschaften dokumentiert. Den Ruf von Zanoni als eines okkulten Einweihungsromans hatte der Autor selbst durch sein Vorwort, in dem er andeutete, selbst eingeweihter und Angehöriger einer "Ewigen Bruderschaft" zu sein, begründet, und noch drei jahre nach der Veröffentlichung schrieb er über das Buch: "Ich liebe es um nichts weniger, weil es kaum verstanden und von der breiten Masse oberflächlich beurteilt wird. Es ist nicht für sie bestimmt."

Knapp 20 Jahre liegen zwischen dem Erscheinen von Zanoni, dem Rosenkreuzerbuch, und Eine seltsame Geschichte, dem späteren Wrk, in dem Bulwer das Motiv des "Lebenselixiers" aufgreift, des elixier vitae, das in der Alchemie eine aus dem lapis, dem Stein der Weisen, hergestellte kostbare Flüssigkeit bezeichnet, der nicht nur eine Allheilwirkung, sondern eine lebensverlängernde Wirkung zugeschrieben wurde. Das wissenschaftsgläubige 19. Jahrhundert, das entschlossen schien, dem Glauben an eine unsterbliche Seele abzuschwören, konnte der Vorstellung, das physische Leben durch unbekannte, aber natürliche substanzen zu verlängern, einen besonderen Reiz abgewinnen., und so verwundert es nicht, dass bulwer das Motiv, das auch aus anderen Romanen des 19. Jahrhunderts, zum Beispiel ETA Hoffmanns Elixiere des Teufels bekannt war, für seinen Roman übernahm.

Anders als Zanoni, mit dem der Autor seiner Vorliebe für die Rosenkreuzerlehre ein Denkmal setzte, wurde Eine seltsame Geschichte jedoch kein "Lebenselixierroman", kein Werk, in dem der Autor den verschlungenen Weg einer esoterischen Geheimlehre beschwor.

In den vielen Jahren, die zwischen den Erscheinen von Zanoni und Eine seltsame Geschichte lagen, waren dem Autor Zweifel an der Berechtigung mancher okkulten Lehre gekommen; besonders dem Mesmerismus und dem Spiritismus, die sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreuten, stand der Autor skeptisch gegenüber. Tricks und Betrügereien im Zusammenhang mit der Vorführung okkulter Phänomene waren ruchbar geworden, und auch bei den vermeintlich authentischen Phänomenen mehrten sich die Stimmen derer, die forderten, dass all diese Phänomene mittels strenger naturwissenschaftlicher Erforschung auf eine natürliche und vernünftige Weise erklärt werden müssten. So war es naheliegend, dass auch Eine seltsame Geschichte die Skepsis des Autors diesen Phänomenen gegenüber zum Ausdruck brachte und ihm das Buch weniger zu einem okkulten Werk als zu einer Okkultismus-Kritik geriet.

Bulwer war allerdings auch dort, wo er sich von okkulten Lehren entfernte, kein Rationalist, niemand, der die Existenz der übersinnlichen Welt bestritten oder in Zweifel gezogen hätte, und tatsächlich spiegelt sich Bulwers Sehnsucht nach der Geisterwelt in Eine seltsame Geschichte nahezu auf jeder Seite. Wohl behandelt das Buch das Lebenselixier und seine Eignung, dem Benutzer je nach dessen Eignung zum Guten oder zum Bösen zu dienen; das eigentliche Thema des Romans sind aber der Glaube an eine unsterbliche Seele, und in enger Verbindung damit sein Gegenstück, der Rationalismus, wie er im 19. Jahrhundert vorherrschend war, und so wurde Bulwer das Motiv vom lebenselixier vor allem zu einem geeigneten Mittel, um sein eigentliches Anliegen zu transportieren, nämlich seine vehemente Kritik am rationalistischen Geist seiner Zeit.

Im Mittelpunkt des fantastischen Romans Eine seltsame Geschichte, der zugleich eine spannende Kriminalerzählung ist, stehen die seltsamen Erlebnisse des englischen Landarztes Allen Fenwick, eines strengen Rationalisten und orthodoxen Wissenschaftlers, der für wirklich nur hält, was er sieht oder mit den eigenen Sinnen erfahren kann und der die Existenz einer Seele nicht gelten lässt. Fenwicks Weltbild bekommt Risse, als er der elfenhaft schönen Lilian Ashleigh begegnet, einer Frau, die ganz unter dem Einfluss einer jenseitigen Welt zu stehen scheint. Der äußerlich verführerische Schwarzmagier Edward Margrave, der auf der Suche nach dem unsterblich machenden Lebenselixier sich der Hilfe des berühmten Arztes für seine alchemistischen Experimente zu versichern sucht, gewinnt Einfluss auf die junge Lilian, und unheilvolle Schatten fallen auf Fenwicks hoffnungsvoll erblühte Liebe. Sir Philipp Derval, ein Eingeweihter in orientalische Geheimnisse, fällt nach seiner Rückkehr aus dem Ausland einem heimtückischen Mordanschlag zum Opfer, und Allen Fenwick gerät unter Mordverdacht. Mit der Hilfe des dunklen Magiers Margrave gelingt es Fenwick, sich von diesem Verdacht zu befreien, doch nun ist das Leben der schönen Lilian in Gefahr; und in der Schilderung, wie Fenwick sich nun inmitten von Feenromantik und und rationaler Vernunft, okkulter Verführung und falschem Mordverdacht zu orientieren sucht, bis er den weg aus seinen äußeren wie inneren Verstrickungen findet, entfaltet die Erzählung ihren besonderen Charme und ihren ganzen eigentümlichen Reiz.

Der Weg, den Fenwick finden muss, ist nicht mehr der verschlungene Pfad einer esoterischen Geheimlehre - wie er sich noch der Hauptperson in Zanoni anempfahl - , sondern es ist der Weg des Glaubens, der Liebe und des Gebets. "Beten Sie!", lässt der Autor Fenwicks Ratgeber Julius Faber sagen; - nicht das Lebenselixier, sondern das Gebet soll den Arzt Fenwick in den Himmel heben, ebenso wie es die ätherische Visionärin Lilian Ashleigh wieder mit der Erde verwurzeln soll. keine okkulte Geheimlehre, sondern die bloße Macht des Gebets ist dem Autor von Eine seltsame Geschichte, die erlösende Kraft geworden, die das Männliche mit dem weiblichen und Fenwick mit seiner Geliebten zu vereinigen vermag, und man wird Zweifel haben dürfen, ob der Bulwer von 1861, der in keinem anderen seiner Werke seinen persönlichen Ansichten zur macht des Gebets, zur Existenz einer unsterblichen Seele und deren Fortleben nach dem Tode so deutlichen Ausdruck verlieh wie in diesem Roman noch mit derselben Ausschließlichkeit den esoterischen Vorstellungen anhing, die er knapp 20 Jahre früher in Zanoni beschrieb.